Warum es besser ist zuerst auf die eigenen Bedürfnisse zu hören

Mit den eigenen Bedürfnissen ist das so eine Sache. Neulich war da wieder so eine Situation, in der ich nervlich schon ziemlich am Ende bin und meine Kinder nochmal so richtig aufdrehen und ständig etwas von mir wollen. Gefühlt mehr als ich geben kann. Und trotzdem versuche immer noch zu geben und zu geben, aber es gelingt nicht mehr so richtig. Die Kinder werden immer „schwieriger“ und meine Stimme immer genervter. Und dennoch steige ich nicht aus diesem Kreislauf aus. Und warum? Weil ich diesen Kreislauf erst im Nachhinein erkenne. Wenn ich wieder Ruhe habe, Ruhe zum nachdenken, meist dann, wenn die Kinder schlafen. Und was passiert da genau? Aus meiner Erfahrung entsteht das vor allem dann, wenn wir über einen längeren Zeitraum mal wieder konsequent unsere eigenen Bedürfnisse hintangestellt haben. Es geht also darum, dass wir rechtzeitig für uns sorgen und es schaffen, nicht immer so am Limit zu sein. Damit meine ich nicht, dass du jede Woche auf Wellness gehen solltest. Es geht darum, wirklich konsequent im Alltag auf sich zu schauen. Klingt banal, ist es auch, aber deswegen keinesfalls einfach!

Du musst nicht immer Supermom sein

Ich erzähle Euch dazu ein Beispiel aus meinem eigenen Alltag: Voller guter Absichten haben wir es geschafft, dass unser großer Sohn bis über den 3. Geburtstag hinaus noch nie ferngesehen hat. Mittlerweile haben wir diesen Vorsatz fallen lassen, da wir im Alltag manchmal genau so eine Pause brauchen. Ich möchte damit keinesfalls das Fernsehen als Babysitter meiner Kinder bewerben - der Gedanke dahinter ist, dass es auch mal in Ordnung ist, nicht Supermom zu sein, sondern einfach nur eine gute Mutter, die dazwischen auch mal auf ihre Bedürfnisse achtet, auch wenn das bedeutet, dass ihr Kind mal 30 Minuten passiv vor dem Fernseher sitzt.

Zwischen Wunsch und Bedürfnis unterscheiden

Was auch oft hilft ist, zwischen Wunsch und Bedürfnis zu unterscheiden. Bei uns selbst und bei unseren Kindern. Während es bestimmte Grundbedürfnisse gibt, wie das Bedürfnis nach Essen, Wärme, Sicherheit, Nähe, etc., die wir unbedingt erfüllen müssen, ist alles darüber hinaus ein Wunsch. Und Wünsche müssen nicht immer erfüllt werden. Und das können wir unseren Kindern auch beibringen.

Was ich in diesem Zusammenhang auch selbst immer noch fleißig übe, ist, meine Grenzen persönlich und klar zu artikulieren. Und das ist nicht einfach, denn oft fällt mir nicht so schnell ein, was mich da jetzt eigentlich wirklich stört und was ich genau brauche. Ein guter Gegencheck ist, wenn meine Kinder nicht darauf reagieren. Dann merke ich, dass ich das Bedürfnis noch nicht in seiner Reinheit erfasst habe. Wieder etwas zum Üben. Aber als ich dann zum ersten Mal völlig innerlich überzeugt zu meinem, damals 18 Monate alten Sohn gesagt habe, „Nein, ich mag jetzt nicht spielen, ich lese jetzt meine Zeitung" und mein Sohn achselzuckend alleine weitergespielt hat, war ich schon ziemlich baff…

Wahrnehmen, artikulieren, handeln – und üben, üben, üben

Klingt nach ziemlich viel üben? Ja, das ist es auch, und zwar kleinweise. Das heißt, dass wir uns immer wieder selbst eine kleine (Gedanken) Pause geben und uns fragen „Moment mal, was brauche ich jetzt wirklich?“. Und das passiert oft im Alltag, jeden Tag in mehreren Minisituationen. Und wenn wir das konsequent üben, wird es mit der Zeit besser, versprochen!

Und zum Schluss werden wir damit belohnt, rascher unsere Bedürfnisse wahrzunehmen, sie zu artikulieren und danach zu handeln. Wir sind dann nicht mehr so am Limit. Davon haben auch unsere Kinder mehr. Denn wenn wir gut auf unsere Bedürfnisse achten und genau DESWEGEN besser auf die Bedürfnisse unserer Kinder eingehen können, sind wir ein gutes Vorbild. Und im besten Fall ein entspanntes Vorbild.

Barbara Widerhofer