Heute mal wieder nicht den Preis für die beste Mama kassiert? Hier kommt etwas Erleichterung!

Zuerst ein persönliches Beispiel

Wir hatten in den letzten drei Monaten eine schwierige Phase als Familie. Viele Gezerre an den Nerven aller, mit allen Begleiterscheinungen was Konflikte betrifft.

Das hat mich mal wieder zum Nachdenken angeregt. Denn wie vielen anderen Frauen und Müttern geht es mir auch immer wieder so, dass ich sehr hart mit mir ins Gericht gehe und den eigenen, sehr hohen Ansprüchen nicht genüge. „Gerade du als Elterncoach, müsstest es doch wirklich besser wissen, können, …“ ist ein Satz der mir in solchen Zeiten nicht nur einmal täglich in den Sinn kommt.

Ja eh…, und dennoch bin ich ein Mensch, der auch seine Geschichte mit sich trägt.

 

Und was ist beim Nachdenken rausgekommen?

Man kann noch so hohe Ideale von sich als Elternteil haben, wir dürfen dabei nicht vergessen wo unser Ausgangspunkt ist. Für die eine ist es schwierig ruhig und geduldig zu bleiben, für den anderen ist es schwierig Frechheiten der Kinder nicht persönlich zu nehmen, für die nächste ist es eine Herausforderung, den Kindern etwas zuzutrauen und sie Fehler alleine machen zu lassen.

Unser Ausgangspunkt ist bestimmt von unserer eigenen Geschichte, von unserem aktuellen persönlichen Rahmen und so vielem mehr. Je nachdem wo unser eigener Ausgangspunkt ist, gelingt es uns mehr oder weniger gut mit unseren Idealen konform zu gehen.

 

Noch ein kleines Beispiel

Bist du zum Beispiel selbst als Kind sehr vorsichtig behandelt worden und wurden dir vorsichtshalber mal alle Hindernisse aus dem Weg geräumt? Dann bist du jetzt vielleicht extra mutig oder es wird dir unter Umständen schwerer fallen, dasselbe nicht mit deinen Kindern zu tun. Im zweiten Fall bist du vielleicht einen Tick ängstlicher geworden, als viele andere. Wenn du dann auf dich als Mama schaust beneidest du möglicherweise die „coolen Mamis“, die ihre Kinder ungesichert das Klettergerüst hochkrabbeln lassen. Oder du denkst darüber nach, ob du das fahrlässig finden sollst… Selbst wenn du bewusst nicht so vorsichtig mit deinen Kindern umgehen willst, wie du es selbst als Kind erlebt hast, wird es dir schwerer fallen als anderen. Weil dein Ausgangspunkt ein anderer ist. Und an dieser Stelle möchte ich noch festhalten: deine Eltern hatten bestimmt aus ihrer Sicht sehr gute Gründe dafür, denn auch sie haben das Beste gemacht, was sie konnten.

Ich finde, man muss berücksichtigen, wie der persönliche Ausgangspunkt ist, wenn man mit sich und mit anderen ins Gericht geht. In dem oberen Beispiel wirst du dich vielleicht mit all deinen Kräften dafür einsetzen, mutig deine Kinder Erfahrungen machen zu lassen und trotzdem immer wieder feststellen, dass du vorsichtiger bist als andere Eltern. Und das ist absolut in Ordnung.

 

Großzügigkeit ist der Schlüssel – mit sich und mit anderen.

Denn erstens können Kinder die „Fehler“ ihrer Eltern meist besser verkraften, als wir glauben, und zweitens tun wir alle das Beste, was uns aktuell möglich ist. Und wenn wir es aktuell besser könnten, würden wir es besser machen. Und manchmal glauben wir, dass es doch besser gehen sollte und wir uns nicht genug anstrengen – aber hier dürfen wir ruhig auch mal großzügig zu uns selbst sein. Ich bin davon überzeugt, dass alle Eltern, gemessen an ihrem Ausgangspunkt (persönliche Geschichte und Erfahrungen, partnerschaftliche Situation, Charakter des Kindes, etc.), das Beste für ihre Kinder tun, was ihnen möglich ist!

Also: sei nett zu dir, wenn du über deine Fähigkeiten als Mama nachdenkst und konzentriere dich auf das, was du richtig gut machst.  Denke nicht zu viel darüber nach, was noch besser gehen könnte, sondern versuche es das nächste Mal einfach anders. UND: Vergib dir deine Fehler!

Barbara Widerhofer