Warum deine Stärken und Talente mehr zählen, als deine Ausbildung

Es tut mir in der Seele weh, wenn Frauen mit unzähligen Jahren Berufs- und Lebenserfahrung, nicht benennen können, worin sie besonders gut sind, und wie das für andere nützlich sein kann.

Der Grund ist, dass wir den Fokus oft einfach auf das Falsche richten. Auch ich habe viele Jahre damit verbracht, zig Aus- und Weiterbildungen zu machen, um „glaubwürdig“ zu sein. Bis ich erkannt habe, dass es darauf letztendlich gar nicht ankommt.

 

Warum sind Stärken und Talente glaubwürdiger als „Zertifikate“?

Natürlich ist mir klar, dass man für bestimmte Dinge ein Zertifikat braucht, das einen berechtigt eine gewisse Tätigkeit auszuüben, aber das ist erstens seltener der Fall, als man glaubt, und zweitens am Ende nicht ausschlaggebend.

Ein Zertifikat sagt nur darüber etwas aus, was du theoretisch gelernt hast. Es sagt nichts darüber aus, wie du an das, was da Thema war, herangehst; wie du es umsetzt und das Gelernte für andere nützlich machst. Es geht außerdem auf einen kleinen Teilabschnitt deines Know-hows – deine Fähigkeiten, Eigenschaften und Erfahrungen bleiben außen vor.

Im Alltag kümmern sich die Personen, die etwas von dir brauchen, weniger darum, was du theoretisch gelernt hast, als wie du mit ihnen umgehst und wie nützlich du dabei für sie sein wirst.

Dafür sorgen deine Stärken und Talente. Die kommen nämlich von dir selbst, sind schon im Mutterleib angelegt, in der frühen Kindheit verfeinert und teilweise im weiteren Leben ausgebaut worden. Es sind die Dinge, die du schon dein Lebtag natürlicherweise, wie selbstverständlich tust. Und gerade weil du sie so selbstverständlich tust, kann es passieren, dass du sie als „nichts Besonderes“ einstufst und sie nicht als Stärke erkennst.

 

Welche Vorteile hat es, seine Stärken zu nutzen – im Beruf und für sich?

Ich sage jetzt mal so salopp dahin, wissend, dass das nicht für jede zutrifft: Wenn man noch keine Kinder hat, hat man relativ viel Zeit und Energie, die man in den Job und Fortbildungen stecken kann. Mit Kindern im Schlepptau, muss man seine Zeit, und das, was man in dieser Zeit tut, deutlich effektiver gestalten, vor allem, wenn man den Anspruch hat, weiterhin gut in dem zu sein, was man tut.

Umso wichtiger ist es, dich auf deine eigenen Stärken zu konzentrieren und deine Tätigkeit langfristig darum aufzubauen. Denn du hast nicht die Zeit, ewig herumzuprobieren, lang in Fortbildung zu investieren, die dich zu wenig weiterbringen und Tätigkeiten zu verfolgen, die letztendlich nur Mühe und Kraft kosten.

Wenn du immer mehr danach handelst, wie es deinen Talenten entspricht, also nach dem, was du natürlicherweise seit Jahrzehnten in dir trägst, bist du authentisch. Alles fühlt sich stimmiger für dich an. Du vertraust auf dich. Das macht dich auch automatisch präsenter.

Du merkst, dass du es leichter hast und besser bist. Das Paradoxe ist, dass viele immer noch eine Ausbildung anstreben, weil sie denken, es ist noch nicht genug. Doch das Berufsleben darf und soll „leicht“ sein: Denn wenn du deine Stärken einsetzt, geht dir alles leichter von der Hand. WEIL du die Eigenschaften und Fähigkeiten einsetzt, die du in dir trägst – und damit besser bist als andere, die genau diesen Mix an Stärken und Talenten nicht hat.

Du wirst von anderen stimmiger und damit glaubwürdiger wahrgenommen. Wenn du deine Tätigkeiten immer mehr danach ausrichtest, wie sie zu deinen Stärken passen, beginnst du fast automatisch anderen zu kommunizieren, worin du richtig gut bist – direkt und indirekt. Die anderen wissen immer besser Bescheid, mit welchen Themen man zu dir kommen kann und mit welchen nicht.

Und hier noch ein Gedankengang für die „little-miss-perfects“ unter uns: Wenn man die Besten genauer anschaut, kann man erkennen, dass auch die nicht rundum gut sind. Sie haben sich meist auf 2-3 Talente konzentriert und die zur Exzellenz ausgebaut. Alles Übrige haben sie anderen und deren Talenten überlassen.

Wie du siehst, ist es also keinesfalls ich-bezogen und egoistisch, über seine Talente und Stärken Bescheid zu wissen und sie anderen gegenüber auszudrücken. Im Gegenteil, es hilft dabei glaubwürdig und authentisch zu sein und macht es anderen leichter einzuschätzen, wodurch du für sie hilfreich sein kannst.

 

Barbara Widerhofer