Ja, auch Mütter verdienen eine Gehaltserhöhung! - Das schnelle Screening, ob du schon bereit dafür bist

Nach meiner Karenz habe ich noch selbständiger, strukturierter und effektiver gearbeitet als vorher. Trotzdem hatte ich das Gefühl, nicht dasselbe zu leisten. Zusätzlich hatte ich einen überaus kooperativen und verständnisvollen Chef, der meine Leistung - im Gegensatz zu mir -, als äußerst brauchbar eingestuft hat. Und schwups: vor lauter Loyalität, Dankbarkeit und überhöhten Ansprüchen an mich selbst, habe ich es verpasst, nach mehr Gehalt zu fragen.

Kommt dir das bekannt vor? Denkst du auch, du bist nicht in der Position, mehr Geld zu verlangen?
Also, mich hat das ganz schön unzufrieden gemacht. Was ich nicht bemerkte: Dass ich nicht mehr Geld bekommen habe, lag vor allem an mir selbst - ich hab mich unter Wert verkauft! Tust du das ebenfalls und willst es beenden? Gut!

 

Überprüfe selbst: Bist du innerlich bereit, mehr zu verlangen?

  • Wie dankbar bist du deinem Chef? Dankbarkeit ist manchmal ein ganz schönes Hindernis! Überprüfe mal die Dankbarkeit deinem Chef gegenüber. Dabei geht es vor allem darum, abzuchecken, was du über Dankbarkeit gelernt hast. Zum Beispiel, dass man gefälligst etwas zurückgibt, wenn man etwas bekommt? Doch das tust du ja bereits: Du machst eine gute Arbeit! Horch mal in dich rein, ob du vor lauter Dankbarkeit vielleicht die Füße stillhältst.

    Lass es mich noch etwas genauer erklären: Hast du gewusst, dass es neben deinem offiziellen Dienstvertrag noch einen inoffiziellen Vertrag gibt? Das ist der „psychologische Vertrag“. Da sind alle zwischenmenschlichen Dinge drin, die unbewusst und unausgesprochen zwischen dir und deinem Arbeitgeber vereinbart werden. Beispielsweise investierst du deine Loyalität, deine Ideen, deine Kreativität, dein Herzblut und im Austausch dafür behandelt dich dein Arbeitgeber (hoffentlich) fair und gut und bietet einen gewissen Raum für Entfaltung.

    Schau mal, was du unbewusst in die Waagschale wirfst und ob du da die Dankbarkeit über freundlichen und fairen Umgang nicht nur mit deiner Loyalität sondern ZUSÄTZLICH mit deinen Leistungen „begleichst“.
     
  • Wie sehr glaubst du an deine Leistungen im hier und heute? Täglich hast du vor den Augen, was du alles NICHT mehr bringst, seit du Kinder hast. Du bist weniger flexibel, du hast weniger Zeit, du fällst öfter aus, du kannst nicht mehr so viel netzwerken, etc. Check doch mal ab, welchen Stellenwert diese „Einbußen“ wirklich für die Ergebnisse in deinem Job haben. Meiner Meinung nach werden sie erstens oft überbewertet und zweitens mit anderen Fähigkeiten abgegolten. Wie ich das meine? Überleg doch mal, wie sich deine Leistung im Vergleich zu vor deiner Karenz verändert hat. Ich zum Beispiel war in vielem gelassener, fokussierter und effektiver. Meine Kompetenz hat sich sozusagen in der Pause „gesetzt“ und besser integriert. Das hat die geringere Flexibilität und die mangelnde Zeit in vielem aufgewogen, weil ich in der zur Verfügung stehenden Zeit die richtigen Dinge mit geringerem Aufwand gemacht habe und mir weniger dreinreden habe lassen.

    Verschaff dir also einen Überblick darüber, welche konkreten Ergebnisse du in welcher Zeit lieferst und checke gegen, ob das WIRKLICH nur 50% (je nachdem wieviel du jetzt arbeitest) des Wertes der früheren Leistungen sind.
     
  • Wie gut kannst du dich von Forderungen abgrenzen? Manche glauben, mit einer Gehaltserhöhung darf ab sofort mehr Leistung gefordert werden oder muss noch mehr geleistet werden. DAS IST EIN IRRTUM. In der Regel wird nicht zuerst das Gehalt erhöht und dann mehr geleistet, sondern umgekehrt. Wenn du bei der vorigen Frage zu dem Entschluss kommst, dass du mehr leistest oder eine bessere Qualität lieferst, in weniger Zeit, dann ist die Gehaltserhöhung quasi ein Ausgleich dafür. Mach dir also klar, was du JETZT schon mehr leistest. Die Erinnerung daran ist vor allem in den Situationen wichtig, in denen du sofort auf Forderungen reagierst und losarbeitest, ohne zu hinterfragen, ob sie angemessen sind.  
     
  • Was denkst du über Geld? Das, was du über Geld zu wissen glaubst, bestimmt deine Einstellung dazu. Das sind Dinge, die du in der Kindheit zum Thema Geld aufgeschnappt hast, deine Befürchtungen dazu und was du von anderen im Vorbeigehen übernommen. Da sind oft viele hinderliche Wahrheiten dabei. Wie zum Beispiel „Mehr Geld verlangen ist frech.“, „Das machen Frauen nicht, das ist eine Männersache.“, „Es passt doch eh.“, „Mein Gehalt ist doch nicht so wichtig“, „Sich um Geld zu kümmern, ist oberflächlich.“, „Die anderen verdienen auch nicht mehr…“, „Der wird denken, ich bin gierig.“ etc. All diese „Wahrheiten“ hindern dich daran guten Gewissens, Geld für deine Leistungen zu verlangen. Es ist wichtig, dass du dir diese Sätze bewusstmachst und dir auch vor Augen führst, was die Konsequenzen sind, so zu denken.
  • Wie gut gelingt es dir, dein Gehalt als Austausch für das, was du TUST, zu sehen und nicht für das, was du BIST? Weiter oben habe ich schon den psychologischen Vertrag angesprochen. Auch im offiziellen Vertrag wird festgelegt, wie viel Geld du für deine Zeit, dein Wissen, deine Erfahrung, deine Kompetenzen und die Ergebnisse, die daraus entstehen, bekommst. Du siehst also, auch hier: Geld ist ein Austauschmittel. In Jobs wird Leistung gegen Geld getauscht.
    Viele sehen das aber eng mit ihrer Person verknüpft. Etwa, weil in der eigenen Kindheit Liebe mit Leistung verknüpft wurde. Manche Chefs nutzen das in Gehaltsverhandlungen sogar schamlos aus. Du musst dir also klar sein, was genau du an Wert in der Arbeit stiftest UND das ist unabhängig von dem Wert, den du als Person hast!

Das Fazit: Innerliche Vorbereitung hilft enorm! Wenn du eine besonders hartnäckige Selbstzweiflerin bist, ist es hilfreich, deine Gedanken dazu mit einer außenstehenden Person gegenzuchecken und dann: Go for it! Warte nicht zu lange, trau dich, du hast es verdient!

Barbara Widerhofer