Die Enttäuschung darüber, dass die Karriere sich mit Kindern nicht fortsetzen lässt wie zuvor, bewältigen Mütter unterschiedlich.

Viele Mütter sind hin- und hergerissen, was ihre Karriere und ihre Aufgabe als Mama betrifft. Dass es nicht einfach so weitergeht wie vorher, kann eine nagende Unzufriedenheit auslösen. Besonders bei Frauen mit breitem Potenzial, die ihren Job zuvor gut und gerne gemacht haben.

Wie sie damit umgehen, macht sich äußerst unterschiedlich bemerkbar, doch alle gemeinsam haben sie dieses nagende Gefühl, dass es so nicht passt.

Bei jedem Mama-Typ ergeben sich unterschiedliche Konsequenzen aus der jeweiligen Art, mit dieser Unzufriedenheit umzugehen. Nicht nur für sie selbst: Auch unsere Kinder schauen sich von uns ab, wie Leben geht. Sie lernen auch von Mama, wie "Mama sein" und „Frau sein“ geht.

 

Die Karriere-Power-Mama

„Es geht alles weiter wie bisher. Mit (und trotz) Kind.“

So ein Kind ist ja doch ein ziemlicher Energie- und Zeit-Verschlinger. Rein faktisch ist es nicht möglich, dass alles weitergeht wie bisher. Da die Powermama sehr an ihrem vorherigen Leben und der dort erlebten Freiheit hängt, sorgt sie mit sehr viel Engagement dafür, dass alles annähernd bleibt wie gehabt. Denn es gilt schon fast zu beweisen, dass das möglich ist.

  • Was tut das mit der eigenen Zeit, Energie und Kraft?
    Die Powermama hat bereits vorher einen recht dichten Alltag gehabt – jetzt kommt noch ein Kind dazu. Wer jetzt versucht, das gewohnte Leben aufrechtzuerhalten, für den wird’s zwangsläufig anstrengend. Denn das Bisherige genauso weiterführen zu wollen, oder auch zu müssen, geht natürlich nicht. Es müssen einfach zu viele Bälle in der Luft bleiben! Dazu kommt noch, dass Powermamas den Anspruch haben, allem und jedem gerecht zu werden. Das führt zu Abstrichen und nicht selten zu einer heraushängenden Zunge.
  • Was tut das mit mir?
    Power Mamas haben meistens von Haus aus viel Energie. Sie kümmern sich. Sie gleichen aus. Sie managen. Sie schaukeln das Kind schon. Auf Dauer kommen sie selbst dabei ganz schön zu kurz. - Werden aber immer mehr Reserven angezapft, geht das irgendwann auf Kosten der eigenen Gefühle und es kann unschön kippen: Das Leben fühlt sich dann äußerst unfrei an. Oft an mehreren Fronten. Und da das gar nicht angenehm ist, schneidet sich so manche emotional ab, arbeitet teilweise gegen sich, ihre Gefühle und Bedürfnisse.
  • Was tut das mit meiner Rolle als Mama?
    Als voll berufstätige Mama ist es oft ganz schön hart, nicht immer da sein zu können. Die ständige Sorge, wichtige Momente zu verpassen oder im entscheidenden Moment nicht da zu sein, kann bei mancher ein ganz schön quälender Begleiter werden.

Und was lernen die Kinder?
„Mama sein“ bedeutet durchpowern, das ist richtig anstrengend. Manches Mal sogar: „Mama sein reicht nicht“.

 

Die Vollzeit-trotz-Teilzeit-Mama

„Ich muss alles schaffen, auch in der halben Zeit.“

Anders als die Karriere-Power-Mama hat die Vollzeit-trotz-Teilzeit-Mama zwar Veränderungen in ihrem beruflichen Leben vorgenommen und geht „nur“ Teilzeit arbeiten, allerdings fällt es ihr schwer, die Rolle als Teilzeit-Berufstätige anzunehmen – sie verlangen nicht selten sowohl von der Haltung, als auch vom Output her, dasselbe von sich, wie in ihrer Vollzeit Tätigkeit. 

  • Was tut das mit der eigenen Zeit, Energie und Kraft?
    Diese Mamas haben beide Welten voll im Blick: die Arbeitswelt und die Kinderwelt. Trotz „arbeitsfreier“ Zeit, sind sie in Gedanken bei der Arbeit und umgekehrt. Nicht selten werden Überstunden gemacht oder abends von daheim aus weitergearbeitet. Und in Jobs, wo das keine Option ist, wird zwar nach Hause gegangen, aber mit immensem inneren Druck – hier darf sich das schlechte Gewissen breitmachen. Gedanken wie „wenn ich schon nur Teilzeit da bin, will ich wenigstens verfügbar sein…“, führen dazu, dass sich viele dieser Mamas weder trauen, sich voll auf ihre Kinder und ihre „Freizeit“ zu konzentrieren, noch „einfach nicht erreichbar“ zu sein. Was in weiterer Konsequenz dazu führt, dass sie nicht abschalten können und zwischen den Welten hin und her hetzen.
  •  Was tut das mit mir?
    Durch das ständige Hin und Her entsteht das unbefriedigende Gefühl, nicht genug zu sein – für die Kinder nicht, für den Job nicht. Es ist, wie innerlich zerrissen zu sein. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Manch eine verbringt dann viel Zeit damit, sich selbst und das eigene Lebenskonzept zur hinterfragen. Da sich dieser Mama-Typ auch oft für alles verantwortlich fühlt und das Gefühl hat, es schaffen zu müssen, optimieren sie immer mehr an sich herum. Da ist es nur allzu verständlich, dass Kritik schnell persönlich genommen wird.
  • Was tut das mit meiner Rolle als Mama?
    Oft ist es so, dass diese Mamas in der Zeit nach der Arbeit, „ausgleichen“ wollen, dass sie nicht da waren, aber im Kopf woanders sind. 

Und was lernen die Kinder?
Arbeit ist was Stressiges, etwas wo Mama viel MUSS. Die Arbeit sorgt dafür, dass sich Mama schlecht fühlt und Arbeit nimmt einem was weg.

 

 Die „falsche“ Vollzeit-Mama

„Meine Kinder brauchen das jetzt von mir!“

Bei diesem Mama-Typ ist die nagende Unzufriedenheit schwerer zu erkennen, weil von außen ist sie eine „Vollblut-Mama“. Sie hat ihren eigenen Beruf und weite Teile von sich FÜR ihre Kinder aufgegeben. Und zwar aus gutem Grund: ihre Kinder brauchen Vollzeit-Mütter – denken sie zumindest.

Dieser Typ ist übrigens in einer abgeschwächteren, aber sehr ähnliche Form, zu finden: Mamas, die ihren Beruf aufgegeben haben, und jetzt nebenbei ein paar Stunden pro Woche arbeiten. Mit der Begründung: am Arbeitsmarkt bleiben zu wollen und die nötige Abwechslung zu bekommen, die sie brauchen. Was sie eint: sie sind trotzdem irgendwie unzufrieden. Doch diese Unzufriedenheit wird schnell mit Argumenten, dass „es ja eh so passt“ und „sie eh zufrieden sind“ und es „nur vorübergehend ist“ im Keim erstickt.

  • Was tut das mit der eigenen Zeit, Kraft und Energie?
    Da es keinen oder keinen „richtigen“ Job gibt, wird oft viel Energie dahinein gesteckt, den „Job“ Mama super zu erfüllen. Das wiederum kann dazu führen, dass Mamas Gedanken nonstop um die eigene Rolle und die Situation der Kinder kreisen. Viele Reaktionen und Verhaltensweisen der Kinder werden als Konsequenz der eigenen Fähigkeiten erlebt. Gedanken an persönliche Wünsche und Bedürfnisse werden schnell innerlich als „egoistisch“ abgestraft und mit noch mehr Engagement als Mama quittiert. Oft findet sich dieser Muttertyp in der „Überverantwortung“ wieder.
  • Was tut es mit mir?
    Für Mütter, die ihren Job vorher gerne gemacht und die ein breites Potenzial haben, ist dieser Lebensentwurf besonders schwierig. Er kann schon fast zum inneren Gefängnis werden. In jedem Fall macht er total unzufrieden und unruhig, da die eigene Persönlichkeit, eigene Fähigkeiten und Potenziale nur sehr eingeschränkt gelebt werden. Fast ist es schon so, dass ICH als Mama nicht sein darf. Und kann richtig traurig machen. Der Umgang mit dieser Trauer kann von „militanter“ Vollzeit-Mama bis hin zu Depression gehen.
  • Was tut das mit meiner Rolle als Mama?
    Kinder werden in dieser Konstellation oft zu Vollzeitprojekten. Die einen Kinder fügen sich und werden ein ausgezeichnetes Projektergebnis und die anderen Kinder machen nicht mit. Ab einem bestimmten Zeitpunkt scheint dann irgendwie nichts mehr zu funktionieren. Und warum? Weil die Kinder die Unzufriedenheit und Unruhe ihrer Mama nur zu gut spüren können und sie spiegeln.

Und was lernen die Kinder?
Mama sein heißt, sich selbst aufgeben und irgendwie unglücklich sein. Mama sein heißt, für alles zuständig sein. Ich bin alles für meine Mama, also muss ich UNBEDINGT gelingen. 

 

Die Jammer-Mama

„Für Frauen ist alles so schwierig …“

Die Anforderungen an berufstätige Mütter sind tatsächlich nicht ohne. Manchen Mamas bleibt dann nur noch die Überforderung. Auf einmal ist alles so schwer. Der Mann tut nicht so wie ich will/ich bin alleinerziehend und muss alles stemmen. Der Chef ist gemein, die Kolleginnen sind gegen Mütter. Und überhaupt ist Muttersein in dieser Gesellschaft der undankbarste Job!
Da kann man sich schnell übervorteilt bzw. ungerecht behandelt fühlen und alles schwierig finden. Und oft werden die Ursachen dann zu 100% im Außen gesucht.

  • Was tut das mit der eigenen Zeit, Kraft und Energie?
    Einmal im Ungerechtigkeitskreislauf gefangen, ist der Weg raus schwierig. Da wird dann viel Zeit ins Jammern und ins Sehen von Problemen investiert. Das zieht einen Rattenschwanz hinterher, denn es aktiviert gleich alle schlechten Gefühle. Das belastet noch mehr und verändert, neben unserer Wahrnehmung und dem eigenen Verhalten, sogar die Körperchemie. Denn wie wir uns fühlen, wirkt sich auch darauf aus, wie unser Körper funktioniert. Nicht immer merken wir das an handfesten Symptomen, aber alleine das Ausschütten bestimmter Hormone beeinflusst (und beeinträchtigt) uns enorm. Das wiederum verändert unseren Energie-Pegel, die psychische Widerstandskraft und das Verhalten. Nicht selten wird auch die Umgebung so ausgesucht, dass sie einem Recht gibt. Und so fühlt man sich immer mehr den Umständen ausgeliefert und unfreier – das ist Stress pur.
  • Was tut das mit mir?
    Emotional betrachtet ist das Unfrei-fühlen das, was regelrecht depressiv machen kann. Was dahinter passiert: Je mehr die anderen schuld sind, desto mehr persönlicher Handlungs- und Gestaltungsspielraum wird abgeben. Man fühlt sich immer weniger als Herrin der eigenen Lage. Manchmal sogar ohnmächtig. Als Resultat wird das Leben an sich als sehr anstrengend wahrgenommen.
  • Was tut das mit meiner Rolle als Mama?
    Durch enorm erlebten Druck und Undankbarkeit kann es dann auch vorkommen, dass man sich oft in der vorwurfsvollen Rolle wiederfindet. Das kann von übermäßigem Eintauchen in die Mutterrolle (wo das Kind schon fast ein Projekt wird) bis zu „Regretting Motherhood“ gehen, bei dem Mütter damit hadern oder sogar total bereuen, Kinder bekommen zu haben.

Und was lernen die Kinder?
Mama sein ist ein äußerst undankbarer Job, das Leben ist ungerecht und man kann sich nicht wehren.

 

„Klingt alles in allem nicht sehr erbaulich!“

Das stimmt. Doch im ersten Schritt ist es schon ziemlich gut, sich selbst zu erkennen, zu merken, was man mit sich selbst tut. Vor allem, wie vielschichtig sich eine innere Haltung auf dich und deine Umgebung auswirkt. Gerade auch auf die Kinder!

Das soll dir bitte kein schlechtes Gewissen machen. Es ist einfach eine Tatsache, dass unsere Kinder – besonders, wenn sie noch sehr klein sind – sich alle möglichen Dinge von uns abschauen und ihre eigenen Schlüsse ziehen. Das sind die Erlebnisse, die sich gerne anhand von Glaubenssätzen und Verhalten fest einprägen.

Wir können – und brauchen – als Eltern nicht alles perfekt zu machen. Doch es ist wichtig zu wissen, wie weitreichend etwas wirkt. Gerade, wenn es uns selbst mit einer Situation nicht so gut geht. Wenn wir nach dem Motto „Augen zu und durch“ etwas machen, von dem wir glauben, dass es sich so gehört, sogar wenn es sich für uns nicht richtig anfühlt.

Eines ist Fakt: Das Leben mit Kindern ist anders, als es zuvor war. Für jede Mama sieht dieses Anders verschieden aus. Und zwar nicht nur, weil wir verschiedene Lebenssituationen und Umstände haben. Sondern, weil wir unterschiedliche Persönlichkeiten sind: Jeder oben beschriebene Mama-Typ hat ein Set an Stärken, Bedürfnissen, Wünschen und Eigenarten. Mit unseren Kindern verändert sich alles. Und für den Beruf heißt das, dass wir abklopfen, probieren und uns neu sortieren.

Barbara Widerhofer