Meine 3 Learnings zum (Schul)beginn

Mein Sohn ist am Montag in die Schule gekommen. Der Schulbeginn war lang ersehnt und dann doch nicht so einfach. Denn die Gefühle sind gemischt. Für mich ist das Spannende dran, wie viele Parallelen es zum Erwachsenen-Leben gibt, wo wir ja auch immer wieder mit Neubeginn zu tun haben. Aus eben diesem Grund habe ich 3 Learnings zusammengefasst, die aus den Gesprächen mit meinem Sohn entstanden sind, aber für mich genauso in die Erwachsen Welt übertragbar sind.

 

1. Ambivalenzen aushalten ist die Kunst.

Mein Sohn konnte es nicht erwarten, in die Schule zu kommen. Endlich zu den „Großen“ zu gehören. Und dann in der Schule angekommen ist alles neu, unbekannt, aufregend. Erst dann ist ihm der Respekt vor dieser neuen Situation eingeschossen und so richtig bewusst geworden, dass der Kindergarten jetzt vorbei ist und er ab jetzt wirklich JEDEN Tag in diese Schule gehen wird.

Ja, neue Situationen sind total spannend. Und schrecklich zugleich. Innerlich reißt es einen hin und her: zwischen der unglaublichen Neugier auf das Neue, und der gleichzeitigen Trauer über den Verlust des Alten. Zwischen dem Stolz, endlich da zu sein und der gleichzeitigen Erkenntnis, wie neu und ungewohnt alles ist. Man kennt die Regeln nicht, man weiß nicht, wer ein guter Freund ist, nicht, was und wer wo hingehört, was man darf und was nicht, was jemand lustig findet und was nicht. Das macht angespannt. Und es geht nicht nur unseren Kindern so. Auch wir Erwachsenen erleben das an Übergängen.

Ambivalenzen, also widersprüchliche Gefühle, aushalten können gehört zum Erwachsen-Sein, sagt man. Und mein Sohn muss auch wissen, dass es normal ist völlig entgegen gesetzt zu empfinden. Dass es uns Erwachsenen auch so geht und, dass das auch für viele Große gar nicht einfach ist. Und ich finde, dass darf man sich auch eingestehen.

Für mich persönlich wird es einfacher, wenn ich mir genau diese Widersprüche bewusst mache und ihnen Worte gebe. Und auch dem „Verlust des Alten“ Platz einräume. Und akzeptiere, dass das zum Übergang dazu gehört.

 

2. Vertrauen ist alles.

Und wenn die Situation ganz neu ist und man nicht genau weiß, was da alles so passieren wird, muss man ziemlich viel „Vorschuss-Lorbeeren“ vergeben. Und das ist, meiner Meinung nach, auch das einzige was hilft. Sein Vertrauen darin zu stärken, dass es gut sein wird.

Bei den Zweifeln meines Sohnes hat ein Gespräch geholfen, in dem wir die ganz große Sache des Schulbeginns „kleiner“ gemacht haben. Indem wir darüber gesprochen haben, was alles ähnlich zu bisherigen Situationen ist. Er sich vergewissert hat, dass in der Realität nichts Schlimmes passieren kann, auch nicht, wenn man was falsch macht und es für (fast) alles eine Lösung gibt. Und, dass es vor allem darum geht, Neues zu lernen, und nicht schon alles zu können.

Und, dass das wichtigste ist, die Dinge auf sich zukommen zu lassen. Denn mit dem Vertrauen ist es wie mit dem Gras: es wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Sondern es entsteht langsam durch die Summe an positive Kontakten mit anderen.

 

3. Es als entschieden betrachten und weiter machen.

Oft ist es die Wahl, die uns das Leben schwer macht. Im Fall der Schule, gibt es auf Grund der Schulpflicht keine (bzw. kaum eine) Wahl ob Schule oder nicht. Ähnlich ist das für die Erwachsenen mit dem Geld verdienen.

Aber ich kann die Art der Schule oder die Art des Jobs wählen. Schon im Vorfeld überlegen, was einem wichtig ist und danach entscheiden. Und wenn die Entscheidung aus guten Gründen und wohlüberlegt getroffen ist: nicht mehr in Frage stellen!

Vor dem Neubeginn Respekt zu haben, ist völlig normal. Doch wenn ich schon von Anfang an zweifle, ob es nicht doch eine andere, bessere Entscheidung gegeben hätte, lenke ich schon meinen Fokus auf alles, was nicht passen könnte. Und das kostet Kraft und verhindert ins Tun und in den Fluss zu kommen. Das neue bekommt keine Chance, da wir uns nicht voll darauf einlassen, sondern mit Handbremse unterwegs sind. Immer bereit umzudrehen.

Was meinen Sohn betrifft: wenn er anfängt zu hinterfragen, ob man vielleicht doch nicht in die Schule gehen muss, helfe ich ihm die Situation als gegeben zu betrachten und die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was er im Moment braucht, um Mut zu fassen und weiter zu machen. Ähnlich mache ich es bei mir, wenn ich lieber umdrehen möchte, weil ich Bammel vor dem Neuen habe. Und es hilft.

Barbara Widerhofer